Hightech von
Problemlösern

Die Innovations-Champions 2026: wie Lenze, Uzin Utz und andere findige Mittelständler mit 
kundennahen Neuentwicklungen Krisen bewältigen und Wachstum planen.

 

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Problemlösern

Die Innovations-Champions 2026: wie Lenze, Uzin Utz und andere findige Mittelständler mit 
kundennahen Neuentwicklungen Krisen bewältigen und Wachstum planen.

 

2.

Platz im Ranking 2026

448,0

Innovations-Score

4000

analysierte Unternehmen

15 Mio. €

F&E Ausgaben pro Jahr

Und was soll daran besonders sein? Das Rollband auf dem Mechatronic Competence Campus des Antriebs- und Automatisierungstechnikherstellers Lenze sieht aus, wie Rollbänder in Logistikhallen oder Paketverteilzentren eben aussehen. Silberne drehbare Metallrollen, gereiht zwischen Schienen, auf denen Kisten bewegt werden. Die Teststrecke im nordrhein-westfälischen Extertal – aufgebaut auf rund 40 Quadratmeter Fläche – demonstriert Kunden Lenzes Motor Driven Roller o450. Und der hat es in sich. Sein Clou: Der getriebelose Motor ist unsichtbar in der Förderrolle integriert – herausnehmbar und damit einfach zu warten. Die vielen externen Motoren unter den Transportanlagen werden dadurch überflüssig. „Neue Maßstäbe in der Fördertechnik“ verspricht Lenze für Logistikzentren und Lagerhallen: einen leiseren Betrieb, besseren Materialfluss, schnellere Beschleunigungs- und Bremsvorgänge.

Marc Wucherer, seit anderthalb Jahren Chef des Unternehmens mit Hauptsitz im niedersächsischen Aerzen, fasst sein Credo so zusammen: „Wir brauchen keine Innovationen um ihrer selbst willen, an denen sich Technikfans begeistern, sondern die Kunden echten Nutzen bringen und ihre Probleme lösen.“ Mit diesem Ansatz hat es Lenze im neuen WirtschaftsWoche-Ranking der Innovationschampions 2026 auf Platz eins geschafft.

Die Beratungsgesellschaft Munich Strategy hat für die 16. Auflage der Rangliste Produkte, Dienstleistungen und Entwicklungskraft von 4000 Unternehmen analysiert. Viele von ihnen haben es derzeit nicht leicht, weiß Munich-Strategy-Chef Sebastian Theopold. Maschinenbauer würden Krise bisher kaum kennen. „Sie müssen Gegenmaßnahmen erstmals entwickeln und anwenden.“ Manche sparten dabei am falschen Ende, beobachtet der erfahrene Berater: „Wer Forschung und Entwicklung zusammenstreicht, wird die Folgen in fünf Jahren spüren, weil er dann technisch und im Wettbewerb den Anschluss verliert.“

Wie aber finden Rankingsieger Lenze oder der in diesem Jahr zweitplatzierte Bauchemiehersteller Uzin Utz in unsicheren Märkten Wege zu relevanten Innovationen und neuem Wachstum?

Lenze-CEO Wucherer hat das erfolgsverwöhnte Unternehmen Anfang 2025 in einer Abwärtsphase übernommen. Ein Einbruch des Umsatzes um 18 Prozent auf 678 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024/25 und rote Zahlen zwangen zu Einschnitten. Der Grund: Aufgrund der Lieferengpässe während der Coronajahre hatten die Kunden – vor allem Maschinenbauer – ihre Lager wie die Eichhörnchen gefüllt. Sie bauten die Vorräte nach der Normalisierung erst einmal ab, bevor sie Nachschub orderten. Nach dem „unnatürlichen Boom“, sagt Wucherer, kam die Durststrecke: „Aber aus dem Gröbsten sind wir nun raus.“

Zwei Vorstände sind gegangen, die Kurzarbeitsphasen beendet. Nach Trennung und Ausscheiden von und rund 400 Beschäftigten umfasst die Belegschaft noch 3200 Mitarbeitende, 1800 davon in Deutschland. Die gehaltsmindernde Verringerung der Arbeitszeit für viele und ein freiwilliger Verzicht auf übertariflich bezahltes Gehalt dauern bis Jahresende noch an. Wucherer selbst hat sich 15 Prozent abgezogen. Dankbar ist er für „die überraschend tolle Zusammenarbeit mit den Betriebsräten. Die haben pragmatisch mit an diesem Strang gezogen, um das Unternehmen neu aufzustellen.“ Ebenso wichtig ist dem 56-Jährigen, der vom Ventilatoren- und Antriebshersteller Ziehl-Abegg kam: „Trotz der Kostensenkung haben wir unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf dem hohen Niveau von 8,5 Prozent des Umsatzes gehalten. Wir erhöhen die Quote im laufenden Geschäftsjahr 2025/26 sogar auf knapp zehn Prozent.“

Rückkehr der Eigentümer

Ein Teil davon fließt ins Transformationsprojekt P85: Zum 85-jährigen Bestehen soll Lenze 2032 effizienter organisiert sein und im Markt für die „Beste Achse“ stehen, also für ein perfektes Zusammenspiel von Mechatronik, Elektronik, Software, KI und Services, um die Komplexität im Maschinenbau zu adressieren. Hightech mit Nutzwert soll die Zahlen bald verbessern. Auch Zukäufe zieht Wucherer in Betracht.

Heraus kommen Produkte wie die motorisierten Förderbandrollen. Und vor wenigen Monaten hat Lenze den Servoumrichter i950 DC-Link vorgestellt: Statt jede Achse in einer Produktionsanlage einzeln zu versorgen, verbindet er mehrere Antriebe über ein gemeinsames Energiesystem. Das spart Kabel, Platz, Zeit und Kosten. Der Servoantrieb sorgt dafür, dass Verpackungsanlagen und Roboter die vielen aufeinander abgestimmten Bewegungen exakt, schnell und synchron mit hoher Präzision und Dynamik ausführen.

Manche Unternehmen, beobachtet Berater Theopold, „reden am Kunden vorbei“. Lenze gehöre zu denen, die bei innovativen Projekten von den konkreten Vorteilen für die Maschinenbauer ausgehen und deren Bedürfnisse gut erkennen“. Dadurch hätten die Niedersachsen auch gute Chancen, sich gegen die immer stärkere Konkurrenz aus China zu behaupten. Zum Team gehören seit 2025 zwei Mitglieder der Eigentümerfamilie Belling, die 20 Jahre nicht im Management präsent war. Der 35-jährige Moritz Belling ist Direktor für Transformation, die 29-jährige Lena Günther arbeitet im Finanzbereich.

Schleifroboter für Parkett

Qualitäten wie bei Lenze sieht Berater Theopold auch beim Zweitplatzierten des Rankings: „Uzin Utz hat bei den Innovationen die Handwerker zentral im Blick.“ Sie sind für Uzin Utz die wichtigsten Anwender und Multiplikatoren.

Das Gerät sieht aus wie ein verkleinerter Zamboni, ein Reinigungsfahrzeug im Eishockeystadion. Vorne die flache Bürste, dahinter das schachtelförmige Gehäuse. Nur putzt der Wagen keine Eisflächen, sondern schleift Parkettböden. Und das nahezu autonom. Mit einigen Klicks markiert Philipp Utz auf dem Tablet den Arbeitsbereich, dann düst der Schleifroboter im Stile eines Roomba-Saugers übers Parkett. Staub steigt auf, Radare am Gerät sorgen für Orientierung. „In der Zwischenzeit könnte der Parkettleger zum Beispiel die Fugen ausbessern“, sagt Utz.

Sein Unternehmen Uzin Utz aus Ulm testet den autonomen Schleifroboter aktuell in Schulen und Sporthallen. Im nächsten Jahr soll die Maschine auf den Markt. Bislang vertreibt das Unternehmen vor allem Kleber, Chemikalien und Pflegeprodukte für Böden, auch Schneidegeräte und Mörtel. Und nun autonome Industrieroboter?

„Wenn es auf dem Markt für ein 

Problem keine Lösung gibt, 

stellen wir sie eben selbst her.“

                                                                                                                                                           - Philipp Utz - 

Sein Bruder Julian, der gleich neben ihm steht, nickt. Die Brüder gehören zur vierten Generation, die 2018 die Leitung übernommen hat: Philipp lenkt den Vertrieb, Julian die Produktion und Entwicklung. Ein Jahr später kam ihre Schwester Amelie Klußmann in den Aufsichtsrat. Die drei sind Drillinge. „Wir haben seit Kindesalter an eine besondere Beziehung zueinander. Gleichzeitig war es unseren Eltern wichtig, dass jeder von uns seinen eigenen Weg geht“, sagt Julian. Die drei besuchten unterschiedliche Schulen, arbeiteten in verschiedenen Branchen und entschieden sich am Ende doch für die Firma.

Sieben Marken geschaffen

Eine erfolgreiche Konstellation. Der börsennotierte Hidden Champion Uzin Utz wuchs mit einer halben Milliarde Euro Umsatz und 1500 Beschäftigten 2025 um etwa acht Prozent und damit stärker als die Branche.

Und die Geschwister wollen mehr. Vor Kurzem beschlossen sie das Programm Grow Bigger: mehr Marktanteile in Europa und den USA, neue Zielgruppen, größere Technologievarianz. „Die Anbieter von Baumaterialien konsolidieren sich. Wir müssen wachsen, damit wir den Anschluss an größere Player nicht verlieren“, erklärt Philipp Utz die Pläne.

Die Fähigkeit, neue Technologien in das wachsende Portfolio zu integrieren, und die enge Bindung zum Kunden sollen verstärkt werden. „Innovation beginnt mit dem Kundenbedürfnis“, glaubt Julian Utz.

Vor rund 30 Jahren entstand ein Systemgedanke: Das Unternehmen soll alles liefern, was Handwerker, Großhändler und Bodenverlegeindustrie brauchen. In der Regel ist das mehr als Basischemie, auch Werkzeug, Maschinen sowie Zusätze für unterschiedliche Belage.

Um im jeweiligen Bereich technologisch vorne mitzuspielen, gründete Uzin Utz eigene Untermarken, samt verantwortlichen Managern und dazugehörigen Experten in Entwicklung und Vertrieb. Im Jahr 2000 entstand so der Spezialwerkzeuganbieter Wolff, ein Jahr später der Parkettkomplettanbieter Pallmann, 2004 ein Ableger für Kunstharzlösungen, zuletzt der Industriearm für Maschinen.

Insgesamt sieben Marken repräsentieren heute das Sortiment. Die breite Aufstellung in der Nische stärkt beim Kunden das Vertrauen in die Expertise. Sie erlaubt gleichzeitig, krisenresistenter mit Moden im Bau umzugehen. Wenn statt Teppich wieder Parkett gewünscht wird, hat Uzin Utz das Material und die Experten schon parat.

Und der Systemansatz erlaubt, selbst bei Disruptionen mutig nach vorne denken. Der autonome Schleifroboter ist dafür ein gutes Beispiel. „Eines der größten Probleme im Bau ist das fehlende Personal und die oft geringe Produktivität“, erklärt Produktionsleiter Julian Utz. Der mit einem Berliner Tech-Start-up entwickelte Roboter nimmt den Handwerkern die anstrengende Arbeit zum Teil ab.

„Innovation beginnt mit 

dem Kundenbedürfnis.“

                            - Julian Utz - 

„Langer Atem zahlt sich aus“

Dass sich Uzin Utz ein Feld wie Robotik zutraut, auf dem Größen wie Siemens und ABB agieren, verrät viel über den Umgang mit Neuem. „Niemand versteht besser, worauf es beim Bodenverlegen ankommt“, sagt Julian Utz. Erfahrungen und Ansprüche von Kunden fließen in die Entwicklung ein. Weil etwa nicht in jedem Wohnhaus ein Fahrstuhl existiert, ist der Parkettroboter modular zerlegbar. So können ihn Arbeiter auch übers Treppenhaus in wenigen Einzelteilen hochtragen.

Nur 15 Millionen Euro, drei Prozent des Umsatzes, gibt Uzin Utz im Jahr für Forschung und Entwicklung aus. Das aber fokussiert. So gab es vor dem aktuellen Schleifroboter „mindestens fünf Prototypen, die durchs Raster gefallen waren“, berichten die Brüder: „Das ist eben auch Familienunternehmen: die Hoffnung, dass sich der lange Atem auszahlt.“


Top-Innovatoren des deutschen Mittelstands

Die 100 neuen WirtschaftsWoche-Innovationschampions, Auszug der Ränge 1 bis 10.

Rang Unternehmen
(Bundesland)
Schwerpunkt Umsatzerlöse 2024
in EUR
Innovationsscore
1 Lenze (NI) Antriebstechnik und Automation 828.050 472,0
2 Uzin Utz SE (BW) Systeme für Verlegung von Bodenbelägen 476.034 448,0
3 Mosca (BW) Umreifungstechnik 293.967 440,0
4 Cewe (NI) Fotodienstleistungen und Technologie 832.792 439,8
5 Brückner Group (BY) Maschinenbau, Kunststofffolienanlagen 1.275.561 432,4
6 FEV Group (NRW) Engineering für digitale Mobilität 748.671 432,0
7 Dürr Dental (BW) Digitale Dentaltechnologien 366.427 424,2
8 Atoss Software (BY) Software für Workforce Management 170.625 424,0
9 Nexus (BW) IT-Lösungen für medizinische Bereiche 261.463 400,0
10 DATA MODUL (BY) Elektrotechnik 226.208 392,0

Innovationsindex

Die Beratung Munich Strategy analysiert seit 2011 für die WirtschaftsWoche die Innovationskraft von jeweils 4000 mittelständischen Unternehmen. Die Berater werten für die Studie Jahresabschlüsse und Präsentationen aus und befragen Geschäftsführer, Kunden, Konkurrenten. Für eine engere Auswahl von 400 Unternehmen errechnen sie einen Innovations-Score. Er ergibt sich zu einem Drittel aus Umsatz- und Gewinnentwicklung und zu zwei Dritteln aus Innovationskraft-Faktoren wie Neuheiten im Markt, Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Einschätzung der Wettbewerber.

Text: Harald Schumacher, Artur Lebedew, © Handelsblatt GmbH

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